Ersti-Kneipentour planen: Leitfaden für Fachschaften

Eine Ersti-Kneipentour gelingt, wenn viele kleine Gruppen gleichzeitig unterwegs sind, ohne sich in denselben Kneipen zu stauen. Fachschaften legen dazu einen Rundkurs fest, geben jeder Gruppe einen Laufzettel mit versetztem Start, sprechen die Kneipen vorher an und sorgen für alkoholfreie Getränke, Ansprechpersonen und Erste Hilfe.

Routen für die Ersti-Woche planen

So organisieren Fachschaften die Ersti-Kneipentour

An vielen Hochschulen gehört eine Kneipentour zum Programm der Ersti-Woche. Zwei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich groß sie sein kann:

  • Die Studierendenvertretung der Uni Stuttgart (stuvus) hat 2023 die Routen aller Gruppen als PDF veröffentlicht. Jede Gruppe hat eine Nummer und eine Route aus vier Kneipen, auf der Rückseite ist ein Stadtplan mit allen 17 Kneipen eingezeichnet, die von den verschiedenen Gruppen besucht werden.
  • Die Fachschaft Erziehungswissenschaft der Uni Bielefeld zieht ab 19 Uhr von einer Startkneipe aus „in Grüppchen“ los. Auf der Seite steht ausdrücklich: „Alkohol soll dabei nicht im Vordergrund stehen.“ Zeiten und Treffpunkte kommen per Ersti-Brief.

Beiden Modellen ist gemeinsam: kleine Gruppen, feste Stationen und eine zentrale Information, die alle vorher bekommen. Je mehr Erstis teilnehmen, desto wichtiger wird es, die Gruppen so zu verteilen, dass keine Kneipe auf einmal überrannt wird.

Kneipentour an der Uni mit vielen Gruppen: der Rundkurs

Das einfachste Modell für viele Gruppen ist ein Rundkurs. Ihr wählt so viele Kneipen, wie ihr Gruppen habt, und legt eine feste Reihenfolge im Kreis fest. Jede Gruppe startet an einer anderen Kneipe und alle wechseln zur selben Zeit in dieselbe Richtung. Dann ist in jeder Runde jede Kneipe mit genau einer Gruppe besetzt. Bei vier Gruppen und vier Kneipen A bis D sieht das so aus, Start ist um 19:30 Uhr, gewechselt wird um 20:30, 21:30 und 22:30 Uhr:

GruppeReihenfolge
Gruppe 1A → B → C → D
Gruppe 2B → C → D → A
Gruppe 3C → D → A → B
Gruppe 4D → A → B → C

Gegenläufige Gruppen: Sollen zwei Gruppen am selben Treffpunkt starten, etwa weil beide Tutorien dort zusammenkommen, läuft eine im Uhrzeigersinn und die andere dagegen. Auf einem Ring mit acht Kneipen begegnen sie sich erst nach vier Wechseln an der gegenüberliegenden Station wieder. Bei vier Stationen pro Abend treffen sie sich also nur am Start. Diese Variante eignet sich für wenige Gruppen; ist der Ring schon voll belegt, kreuzen gegenläufige Gruppen die anderen.

Gemeinsamer Abschluss: Wenn alle Gruppen am Ende in einer größeren Bar oder einem Club zusammenkommen sollen, braucht diese letzte Station eine feste Absprache, weil dort alle gleichzeitig ankommen.

Gruppengröße: Die Gruppen müssen in die kleinste Kneipe des Rundkurses passen, fragt dort also zuerst nach freien Plätzen. Dann rechnet ihr von der Zahl der Anmeldungen rückwärts: Bei 120 Erstis und Gruppen von 15 Personen braucht ihr acht Gruppen und damit acht Kneipen im Ring. Fehlen Kneipen, teilt ihr den Abend in zwei Rundkurse in benachbarten Vierteln. Gruppen aus demselben Tutorium oder Studiengang zusammenzulassen, erleichtert das Kennenlernen, denn genau darum geht es an dem Abend.

Der Laufzettel: was draufgehört

Der Laufzettel ist das wichtigste Papier des Abends. Er sollte auf eine Seite passen und auch im Dunkeln auf der Straße lesbar sein:

  • Gruppennummer und Namen der Tutorinnen und Tutoren mit Handynummer
  • Stationen mit Namen, Adresse und Zeitfenster
  • Karte oder Link zur Route
  • Treffpunkt und Uhrzeit für den gemeinsamen Abschluss
  • Notruf 112 und die Nummer der Orga, die den ganzen Abend erreichbar ist
  • letzte Bahnen oder Nachtbuslinien ab der letzten Station
  • Kennenlernfragen oder Aufgaben, wenn ihr welche einplant

Aufgaben sollten vorher mehrere Leute aus der Fachschaft lesen. Wie schnell ein Zettel zum Problem wird, zeigte 2022 eine Ersti-Kneipentour in Bielefeld: Unter den Aufgaben standen neben harmlosen wie einer Polonaise auch übergriffige, etwa Personen in den Po zu kneifen. Ein Foto des Zettels verbreitete sich auf Reddit, die Verantwortlichen aus der Fachschaft entschuldigten sich öffentlich. Ideen ohne Bloßstellen stehen im Ratgeber Kneipentour-Spiele.

Fachschaft-Kneipentour planen: Absprache mit den Kneipen

Zwanzig Erstis, die ohne Ankündigung in eine kleine Kneipe kommen, sind für das Personal ein Problem. Sprecht deshalb jede Station einige Wochen vorher an:

  • Datum, Uhrzeit und erwartete Gruppengröße nennen
  • fragen, ob ein Bereich freigehalten werden kann und bis wann
  • klären, ob es alkoholfreie Getränke zu fairen Preisen gibt
  • getrennte Rechnungen oder schnelles Bezahlen absprechen
  • eine Ansprechperson der Fachschaft mit Telefonnummer hinterlassen

Ein Tag vor der Tour lohnt sich ein kurzer Anruf zur Bestätigung. Fällt eine Kneipe aus, braucht ihr Ersatz in der Nähe, damit der Rundkurs nicht reißt.

Alkoholfreie Optionen und Jugendschutz

Nicht alle Erstis trinken Alkohol, und manche sind noch nicht volljährig. Nach § 9 Jugendschutzgesetz gibt es Bier, Wein und Sekt ab 16 Jahren, alle anderen alkoholischen Getränke wie Schnaps oder Longdrinks erst ab 18. Nach § 4 dürfen 16- und 17-Jährige ohne personensorgeberechtigte oder erziehungsbeauftragte Person zwischen 24 und 5 Uhr nicht in Gaststätten bleiben. Für eine Tour, die bis nach Mitternacht geht, braucht ihr also eine Lösung für unter 18-Jährige.

  • Jede Station hat mindestens ein alkoholfreies Getränk, das nicht teurer ist als ein Bier.
  • Aufgaben und Spiele funktionieren ohne Alkohol, Punkte gibt es nie für Trinkmengen.
  • Eine Station mit Essen oder ein Imbiss auf halber Strecke gehört in den Plan.
  • Wer früher gehen will, wird nicht überredet zu bleiben.

Aufsicht, Ansprechpersonen und Erste Hilfe

Tutorinnen und Tutoren sind an diesem Abend Gastgeber. Bewährt haben sich zwei Begleitpersonen pro Gruppe, damit eine bei jemandem bleiben kann, dem es nicht gut geht, während die andere mit der Gruppe weiterzieht.

  • Mindestens eine Person pro Gruppe hat einen aktuellen Erste-Hilfe-Kurs und bleibt nüchtern.
  • Die Orga hat eine Telefonnummer, die den ganzen Abend erreichbar ist, und kennt alle Routen.
  • Benennt Ansprechpersonen für Grenzüberschreitungen und stellt sie zu Beginn vor.
  • Bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen oder Verletzungen wird sofort 112 gerufen.
  • Am Ende zählt jede Gruppe durch, bevor sie sich auflöst.

Routen mit cheers vorbereiten

Für die Vorauswahl der Kneipen kann die Fachschaft den Planer von cheers nutzen. Als Ort eignet sich das Viertel rund um die Uni, ins Wunschfeld passt etwa „Platz für Gruppen, günstige Getränke, alkoholfreie Auswahl“. Jede Anfrage liefert mehrere fußläufige Routen. Aus den vorgeschlagenen Kneipen stellt ihr dann den Rundkurs zusammen und prüft, ob die Wege zwischen allen Stationen kurz bleiben.

Jede vorgeschlagene Route hat einen Teilen-Link. Tutorinnen und Tutoren öffnen ihn ohne Konto und sehen sich Kneipen und Wege vorab auf der Karte an. Auf den Laufzettel gehören trotzdem Adressen und Reihenfolge der eigenen Gruppe, weil der Rundkurs aus mehreren Routen zusammengesetzt ist.

cheers reserviert keine Plätze und spricht nicht mit den Kneipen. Die Absprache bleibt Aufgabe der Fachschaft. Für Uni-Städte gibt es eigene Seiten, etwa zur Kneipentour in Münster, Freiburg oder Stuttgart.

Fragen

Wie organisiert man eine Ersti-Kneipentour mit vielen Gruppen?

Am einfachsten mit einem Rundkurs: so viele Kneipen wie Gruppen, feste Reihenfolge, jede Gruppe startet an einer anderen Station und alle wechseln gleichzeitig in dieselbe Richtung. So ist jede Kneipe pro Runde mit genau einer Gruppe besetzt.

Was gehört auf einen Laufzettel für die Kneipentour?

Gruppennummer, Namen und Handynummern der Tutoren, alle Stationen mit Adresse und Zeitfenster, ein Link oder eine Karte zur Route, der Treffpunkt für den Abschluss, die Orga-Nummer, der Notruf 112 und die letzten Verbindungen nach Hause.

Dürfen Erstis unter 18 an einer Kneipentour teilnehmen?

Ja, mit Einschränkungen. Nach dem Jugendschutzgesetz dürfen 16- und 17-Jährige in Gaststätten Bier, Wein und Sekt bekommen, aber keinen Schnaps. Ohne personensorgeberechtigte oder erziehungsbeauftragte Person dürfen sie sich zwischen 24 Uhr und 5 Uhr nicht in Gaststätten aufhalten.

Wie viele Kneipen sind bei einer Ersti-Kneipentour sinnvoll?

Vier Stationen pro Gruppe sind ein praktikables Maß. Die Studierendenvertretung der Uni Stuttgart plante 2023 zum Beispiel Routen mit je vier Kneipen, insgesamt waren 17 Kneipen beteiligt. Mit einer Stunde pro Station passt das in einen Abend.

Muss man Kneipen vorher Bescheid sagen?

Ja. Eine Gruppe von zwanzig Erstis ohne Ankündigung überfordert kleine Kneipen. Fragt einige Wochen vorher nach Platz, Zeitfenster, alkoholfreien Getränken und Bezahlung, und bestätigt den Termin am Vortag noch einmal telefonisch.

Wie viele Tutoren braucht eine Gruppe?

Zwei Begleitpersonen pro Gruppe haben sich bewährt. Dann kann eine bei jemandem bleiben, dem es schlecht geht, während die andere mit der Gruppe weiterzieht. Mindestens eine Person sollte nüchtern bleiben und Erste Hilfe beherrschen.

Weiterlesen