Barrierefreie Kneipentour: rollstuhlgerechte Bars finden

Für eine barrierefreie Kneipentour brauchst du Bars mit stufenlosem Eingang, kurze Wege dazwischen und einen Heimweg mit funktionierenden Aufzügen. Wheelmap und OpenStreetMap zeigen, welche Lokale als rollstuhlgerecht eingetragen sind, ein Anruf klärt WC, Türbreite und Theke. Der Rolli-Modus von cheers plant Routen mit solchen Kneipen, ist aber noch in der Beta.

Tour im Rolli-Modus planen

Was „rollstuhlgerecht“ in OpenStreetMap bedeutet

Wheelmap und andere Karten nutzen die Angaben zur Zugänglichkeit aus OpenStreetMap. Dort beschreibt das Merkmal wheelchair, ob ein Ort mit Rollstuhl erreichbar ist. Die deutschsprachige Wheelmap-Seite im OpenStreetMap-Wiki legt die Werte so aus:

WertBedeutung
yesEingang stufenlos und alle Innenräume stufenlos erreichbar
limitedhöchstens eine Stufe von bis zu 7 cm am Eingang, oder nicht alle Innenräume stufenlos erreichbar
noStufe oder Stufen am Eingang, die höher als 7 cm sind

Zwei weitere Angaben sind für einen Kneipenabend wichtig: toilets:wheelchair sagt, ob es ein rollstuhlgerechtes WC gibt, und wheelchair:description kann Details wie Türbreite, mobile Rampe oder die Lage des barrierefreien Eingangs enthalten. Einen Standardwert gibt es nicht. Fehlt die Angabe, ist die Zugänglichkeit unbekannt, nicht automatisch schlecht.

Ein „yes“ sagt also nichts über die Toilette, die Höhe der Theke oder die Lautstärke aus. Und die Daten tragen Freiwillige ein, sie können veraltet sein, etwa nach einem Umbau.

Wheelmap als Datenbasis für barrierefreie Bars

Wheelmap.org ist eine Karte für rollstuhlgerechte Orte, die der Verein Sozialhelden betreibt. Entwickelt haben sie Raul Krauthausen und Holger Dieterich, online ist sie seit 2010. Die drei Werte aus OpenStreetMap zeigt Wheelmap als Ampel mit grünen, gelben und roten Symbolen. Nach Angaben der Europäischen Investitionsbank waren 2022 mehr als eine Million Orte markiert. Jede Person kann Orte ergänzen und Fotos hochladen.

Für die Suche nach barrierefreien Bars heißt das:

  • Filtere auf Gastronomie und schau, welche Bars in deinem Viertel grün oder gelb markiert sind.
  • Lies Kommentare und schau Fotos an, sie sagen oft mehr als die Farbe.
  • Viele Bars sind gar nicht bewertet. Wenn du eine besuchst, kannst du die Angabe selbst nachtragen und hilfst der nächsten Person.

Besonders bei „limited“ lohnt sich ein genauer Blick. Eine Stufe von 7 cm schaffen manche mit Hilfe oder mit einem leichten Aktivrollstuhl, für einen schweren Elektrorollstuhl kann sie unüberwindbar sein. Auch „nicht alle Räume stufenlos“ kann heißen, dass ausgerechnet das WC im Keller liegt.

Was du vor der rollstuhlgerechten Kneipentour klären solltest

Eine Karte ersetzt keinen Anruf. Diese Fragen klären die meisten Unsicherheiten:

  • Eingang: Gibt es eine Stufe, und wie hoch ist sie? Gibt es eine mobile Rampe oder einen Seiteneingang?
  • Tür: Wie breit ist die Eingangstür, geht sie schwer auf, gibt es einen Windfang?
  • WC: Gibt es ein barrierefreies WC, liegt es auf derselben Ebene und ist es frei zugänglich oder als Lager genutzt?
  • Theke und Tische: Gibt es unterfahrbare Tische oder nur Stehtische und Barhocker? Wird am Tisch bedient?
  • Platz: Ist es am Abend so voll, dass man mit Rollstuhl nicht durchkommt? Kann ein Tisch reserviert werden?
  • Außenbereich: Ist die Terrasse stufenlos erreichbar, falls drinnen kein Platz ist?
  • Weg zwischen den Stationen: Kopfsteinpflaster, steile Gassen, hohe Bordsteine oder Baustellen machen kurze Strecken mühsam. Ein Blick in Google Street View oder ein Testweg bei Tag hilft.

Wer einen Rollstuhl nutzt, weiß meist am besten, welche Barriere noch geht und welche nicht. Plant die Route deshalb gemeinsam, statt für jemanden zu planen.

Nachtverkehr und Aufzüge

Der Heimweg ist oft das größte Hindernis. Ein defekter Aufzug kann eine ganze Station unbrauchbar machen, und nachts gibt es weniger Ausweichmöglichkeiten. Die Verkehrsunternehmen in großen Städten zeigen den Zustand ihrer Aufzüge online:

  • Berlin: In der Fahrinfo-App und auf bvg.de zeigt die Option „voll barrierefrei“ nur Bahnhöfe mit Aufzug und schlägt bei einem kaputten Aufzug andere Wege vor. Der Fahrdienst BVG Muva ist seit dem 1. März 2026 nicht mehr buchbar, die BVG verweist auf den kostenfreien Dienst VBB BAV.
  • Hamburg: Der Aufzugsplan des hvv zeigt den Status in Echtzeit. Die Fahrplanauskunft berücksichtigt ihn, wenn du in der Suche die Option für Rollstuhl aktivierst.
  • Köln: Die KVB listet auf kvb.koeln gestörte Aufzüge, die während einer Reparatur einen oder mehrere Tage ausfallen.
  • München: In der Verbindungssuche der MVG lässt sich unter „Weitere Optionen“ angeben, ob du auf Aufzüge angewiesen bist. Die Suche zeigt dann, ob die Aufzüge auf der Strecke funktionieren.
  • Wien: Laut Wiener Linien sind alle U-Bahn-Stationen barrierefrei erreichbar. Störungen erscheinen in der App WienMobil.

Schau kurz vor dem Aufbruch noch einmal nach und plane eine zweite Station oder ein Taxi als Rückfall ein. Wenn die letzte Kneipe in der Nähe einer Station mit funktionierendem Aufzug liegt, wird der Heimweg deutlich einfacher.

Der Rolli-Modus von cheers (Beta)

Im Rolli-Modus wählt der Planer von cheers Kneipen, deren Eingang laut Google oder OpenStreetMap rollstuhlgerecht ist, und hält die Wege zwischen den Stationen kurz. Gibt es in einem Viertel zu wenige davon, kommen eingeschränkt zugängliche Kneipen dazu. Das steht dann an der jeweiligen Station, damit du weißt, wo du nachfragen solltest.

Was der Modus nicht kann:

  • Er prüft nicht, ob es ein barrierefreies WC gibt oder wie hoch die Theke ist.
  • Er kennt nur, was in Google oder OpenStreetMap eingetragen ist. Fehlende oder veraltete Angaben übernimmt er.
  • In kleinen Städten gibt es oft zu wenige Treffer für eine ganze Route.

Der Fußweg zur nächsten Station öffnet sich in Google Maps. Nutze die Vorschläge als Ausgangspunkt und ruf bei den Stationen vorher an. Den Teilen-Link öffnet deine Gruppe ohne Konto.

Über diesen Link öffnet sich der Planer mit eingeschaltetem Rolli-Modus. Du gibst Stadt oder Viertel ein, wählst eine Stimmung und kannst im Freitextfeld Wünsche ergänzen, etwa „ruhige Kneipen mit Sitzplätzen“.

Barrierefreie Bars in Berlin, Köln, Hamburg, München und Wien

Wheelmap funktioniert in allen diesen Städten. Für Berlin gibt es zusätzlich zwei eigene Quellen:

  • Mobidat: eine Datenbank zur Zugänglichkeit öffentlicher und privater Einrichtungen in Berlin, seit 2003 online, nach einem Neustart 2006 mit rund 31.000 Datensätzen. Betreiber ist die Albatros gGmbH, gefördert vom Land Berlin. Gesucht wird unter mobidat.net.
  • Reisen für Alle: ein bundesweites Kennzeichnungssystem, bei dem geschulte Prüfer Betriebe vor Ort erfassen, etwa Türbreiten, Stufen, Rampen und Aufzüge. Die Ergebnisse stehen auf reisen-fuer-alle.de. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf weist darauf hin, dass die Kennzeichnung nicht bedeutet, dass ein Betrieb vollständig barrierefrei ist.

Ausgehviertel, lokale Eigenheiten und Nachtverkehr stehen auf den Stadtseiten: Berlin, Köln, Hamburg, München und Wien. Ob eine Route im Rolli-Modus genug Kneipen findet, hängt vom Viertel ab. Probier im Zweifel ein benachbartes Viertel oder die ganze Stadt als Ort.

Fragen

Was bedeutet rollstuhlgerecht bei Wheelmap?

Wheelmap nutzt die OpenStreetMap-Werte yes, limited und no. Yes heißt: Eingang und alle Innenräume stufenlos. Limited erlaubt eine Stufe bis 7 cm oder nicht alle Räume stufenlos. No bedeutet Stufen am Eingang über 7 cm. Ob es ein barrierefreies WC gibt, steht in einer eigenen Angabe.

Wie finde ich barrierefreie Bars in meiner Stadt?

Auf wheelmap.org lassen sich Bars nach ihrer Zugänglichkeit anzeigen, die Daten stammen aus OpenStreetMap. In Berlin hilft zusätzlich die Datenbank Mobidat. Weil Angaben fehlen oder veraltet sein können, solltest du vor dem Besuch kurz anrufen und nach Eingang und WC fragen.

Heißt „rollstuhlgerecht“ auch, dass es ein barrierefreies WC gibt?

Nein. In OpenStreetMap beschreibt wheelchair=yes Eingang und Innenräume, die Toilette wird getrennt mit toilets:wheelchair erfasst. Viele Bars haben dazu gar keinen Eintrag. Frag deshalb gezielt nach, ob das WC auf derselben Ebene liegt und frei zugänglich ist.

Wie funktioniert der Rolli-Modus von cheers?

Der Rolli-Modus plant Kneipentouren mit Lokalen, deren Eingang laut Google oder OpenStreetMap rollstuhlgerecht ist, und hält die Wege kurz. Gibt es zu wenige, kommen eingeschränkt zugängliche dazu, das steht an der Station. Der Modus ist in der Beta, in kleinen Städten gibt es oft zu wenige Treffer.

Wie erfahre ich, ob die Aufzüge auf meinem Heimweg funktionieren?

Die großen Verkehrsunternehmen zeigen gestörte Aufzüge online, etwa der hvv mit einem Aufzugsplan in Echtzeit, die KVB mit einer Störungsliste und die BVG in der Fahrinfo-App mit der Option „voll barrierefrei“. Prüfe den Status kurz vor dem Aufbruch.

Was sollte ich eine Bar vor dem Besuch mit Rollstuhl fragen?

Frag nach der Höhe einer Stufe am Eingang, einer mobilen Rampe, der Türbreite, einem barrierefreien WC auf derselben Ebene, unterfahrbaren Tischen und ob am Abend genug Platz ist. Bei Gruppen lohnt sich eine Reservierung.

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